Sydney zum ersten!

30.10.2010
Das war die übelste Nacht während dieser Reise! Ich weiß nicht, wie oft ich aufgewacht bin, weil ich das Gefühl hatte „jetzt fliegt mir gleich der ganze Waggon um die Ohren“! Aber ein paar Stunden habe ich wohl geschlafen und ich werde gerade wach, als wir die Ausläufer der ‚Blue Mountains’ durchqueren! Auch das wieder eine sehr liebliche, hügelige Landschaft – manchmal sieht es aus wie in Italien!

Langsam geht es aber steiler aufwärts, durch eine Vielzahl von Tunnels und engen Haarnadelkurven gewinnen wir stetig an Höhe!
Als wir nach einer herrlichen Fahrt oben angekommen sind, gibt es immer wieder phänomenale Ausblicke auf Schluchten und weites Land!
Auch eine Vielzahl von kleinen Städtchen begleitet uns auf dem Weg – eins davon war „Zigzag“! Dort gibt es übrigens einen alten Eisenbahnzug mit Dampflokomotive, der während Feiertagen und an Wochenenden in Betrieb genommen wird!

Überall blühen wieder Büsche und Blumen im Überfluß – hier vor allem Rhododendron in allen Größen und vor allem auch Farben! Es ist überdeutlich, dass der Frühling gerade mit voller Kraft eingezogen ist. Viele Wanderer sind überall unterwegs – es ist Samstag und das Gebiet hier ein beliebtes Wochenend-Ziel für die Menschen aus dem Großraum Sydney!
Beim langsamen Bergab-Fahren geht es völlig überraschend an einem riesigen Kohlekraftwerk vorbei! Es ist nicht zu glauben – es gibt hier weites Land ohne jede Vegetation und mit so gut wie keiner Besiedelung und dann so ein großes Kraftwerk mitten in einer der schönsten Gegenden in einem relativ dicht besiedelten Landesteil…
Jetzt werden die Ortschaften häufiger und bald gibt es kaum noch erkennbare Übergänge von einer zur anderen und bald schon befinden wir uns in den Außenbezirken von Sydney, diesem riesigen Moloch hier an der Ostküste Australiens. Sogar McDonalds hat hier ein eigenes Stadtviertel :-)!

Bis zur Central-Station ist es jedoch fast noch eine Stunde, aber ich schicke meinem jungen Gastgeber für die nächsten Tage – Zsolt, ein gebürtiger Ungar – schon mal eine SMS. Er soll ja wissen, wann ich etwa ankommen werde – der Zug hat seit vergangener Nacht etwa eine Stunde Verspätung. Wahrscheinlich war doch irgendwas nicht in Ordnung…

Die weitere Fahrt ist wie überall auf der Welt – vom Zug aus bekommt man vorwiegend Einblicke in die Hinterhöfe der Großstädte. Das muß nicht unbedingt uninteressant sein, aber ich vermisse ein wenig die Hochhäuser, die ich von Abbildungen kenne. Wie ich später entdecke, sind die direkt in Fahrtrichtung und daher vom Zugfenster aus so gut wie nicht zu sehen! Dafür gibt es anderes zu sehen, auch eine ziemlich große Moschee! Ich hatte ja in Perth vor kurzem eine Fernsehsendung über den Islam in Australien gesehen, wo deutlich wurde, daß auch hier große Ängste der Bewohner, meist wegen völliger Unkenntnis, vorherrschen. Aber in so einem riesigen Schmelztiegel wie Sydney hat scheinbar dann doch auch eine große Moschee Platz!

Das Aussteigen geht überraschend schnell – mein Koffer wird gerade ausgeladen, als ich auf Höhe des Gepäckwagens bin. Auf meine SMS habe ich keine Antwort bekommen. Ich rufe vorsichtshalber erstmal an, ob er überhaupt daheim ist, ehe ich mich auf den Weg dahin mache. Und tatsächlich, er ist gerade unterwegs, will aber in ca. 30 Min. daheim sein. Auch gut – ich suche mir im Bahnhof einen Internet-Zugang und sichte meine E-Mails, dazu gibt es wieder einmal einen richtig schönen Cappuccino nach all den ‚Convenience-Cappuccinos’ oder Nescafés mit ‚Kaffeeweißer’ an Bord des Zuges!
Eigentlich hätte ich gern eine kleine Runde um den Bahnhof gemacht, aber mir war die Gepäckaufbewahrung zu teuer. Sie wollten doch tatsächlich 18$ fuer mein Köfferchen und 12$ für meinen Rucksack haben!!!
Dann fange ich mir ein Taxi und lasse mich zur angegebenen Adresse fahren. Alles, was ich da unterwegs zu sehe bekomme, macht einen wirklich guten Eindruck – ich freue mich auf die nächsten Tage, wenn ich mir das alles ausgiebig ‚erlaufen’ kann!
Am Ziel angekommen, werde ich sehr freundlich von Zsolt und seinem Untermieter Mario, einem Italiener aus Kalabrien, und einem anderen Couchsurfer, Kevin aus San Francisco, willkommen geheißen! Es gibt auch noch zwei Katzen, die mich sofort neugierig mustern und um mich herumschleichen.
Meine „Couch“ für die nächsten Tage ist im wahrsten Sinne des Wortes eine Couch – eine von zwei, die im Wohnzimmer stehen. Die zweite wird von Kevin genutzt, der aber morgen früh nach Brisbane weiterreisen will!
Ich mache mich ein wenig mit allen bekannt, gehe unter die Dusche und stelle eine Maschine Wäsche an. Danach geht’s auf kleine ‚Entdeckungstour’ und zum Einkaufen ins Stadtteil-Zentrum von Coogee, dem Stadtteil, in dem ich mich vorerst aufhalten werde.
An den Preisen im örtlichen Supermarkt merkt man, dass dies eine ‚beach city’ ist – es ist noch teurer als in Western Australia! Aber ich brauche heute nicht viel, so halten sich die Ausgaben in Grenzen!
Die jungen Männer gehen heute abend zu einer vorgezogenen ‚Halloween Party’, ich ziehe es vor, daheim zu bleiben! Nach einem schnellen, einfachen Abendessen „ruft“ mich schon meine Couch!

Advertisements

Eine Antwort zu Sydney zum ersten!

  1. Sohn #2 schreibt:

    Na endlich, ein schriftliches Lebenszeichen von Dir.
    Da sin wir aber alle froh. Ausserdem gibt’s jetzt hoffentlich wieder jede Menge zu lesen (waren lange zwei Wochen ohne „Stoff“, die Blg-süchtigen werden sich freuen)

    Liebe Grüße
    Sohn #2 mit Anhang

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s