Nach Iguazu – Wasserfälle schauen – und zurück nach B.A.!

Donnerstag, 7.4.2011
Beim ersten Sonnenstrahl werde ich heute schon wach – auch kein Wunder nach DER Nacht!
Draußen breitet sich eine liebliche Gegend aus, vor allem flach und sehr wasserreich! Es ist offenbar Weideland hier, hin und wieder aber auch von Wäldern unterbrochen! Plötzlich kommen, wie ein riesiges Spinnennetz, ganz viele Überlandleitungen in den Blick – hier scheint ein Kraftwerk nicht weit zu sein! Hin und wieder geht die Fahrt auch an kleinen Dörfern vorbei, wo das Leben gerade wieder beginnt!

Vor lauter Schauen, (eher lauem) Frühstück, schnell mal ins Bad zwischendurch und kleinem Mittagssnack ist die Zeit doch schnell vergangen – schon befinden wir uns auf der nagelneuen Einfallstraße nach Puerto Iguazu! Und ehe ich mich versehe, sind wir auch schon am Ziel angekommen. Ein relativ großer, sehr sauberer, offenbar auch erst kürzlich neu gebauter oder grundlegend renovierter Busbahnhof wartet hier auf uns!

Das Hostel, das ich hier gebucht habe, ist nur 5 Minuten vom Busbahnhof entfernt! Beim Eintreten empfängt mich an der gegenüberliegenden Wand schon ein riesiges Plakat vom modernen Nationalhelden :-)! Ist schon witzig gemacht mit dem ‚DIOS‘, in dem seine damalige Spielernummer 10 versteckt ist!

Ich bekomme ein hübsches kleines Zimmer mit Klimaanlage – hier ist es etwas über 30 Grad warm! Nach den eher frühlingshaften Temperaturen in Salta eine ziemliche Umstellung! Ich werde sehen, wie es nachts wird, vielleicht brauche ich sie gar nicht. Die Fenster haben Mückengitter (ich musste zwar ein paar Löcher wieder ‚fachgerecht’ mit meinem mitgebrachten Isolierband flicken) und ich könnte sie also auf lassen, wenn es nachts abkühlt.
Nach einer sehr erholsamen lauwarmen Dusche lege ich mich erst noch einmal ins Bett und hole ein paar Stunden Schlaf nach! Anschließend gehe ich ein wenig einkaufe – ich brauche etwas zu essen und will mich einfach mal umschauen! Hier finde ich auch zufällig ein Ladekabel für mein Handy, das im Hostel in Salta – zusammen mit meinem Batterieladegerät – aus der Steckdose verschwunden war! Aber bei dem Preis von umgerechnet knapp 3€ konnte ich auch nicht meckern – und ich brauche keinen Adapter mehr für die Steckdosen :-)! In einer kleinen Kindermoden-Boutique sehe ich zwei Kleidchen, bei denen ich nicht widerstehen kann! Eins für den Sommer und eins eher für den nächsten Winter für Anna – superschön und auch zu Preisen, von denen man in Deutschland nur träumen könnte. Ich werde sie von Buenos Aires aus mit der Post schicken – sollten sie nicht ankommen, wäre das zwar schade, aber kein allzu großer finanzieller Schaden!
Auf dem Heimweg komme ich an der Eisdiele vorbei, die mir der Besitzer des Hostels wärmstens ans Herz gelegt hat – „ein Eis wie aus dem Märchen“! Na, da probiere ich es natürlich und es ist wirklich richtig lecker! Fürs Abendessen erstehe ich in einem Nudelladen frisch gemachte Tortellini und selbst gemachtes Pesto dazu. Eine kleine Flasche Wein habe ich noch aus Cafayate – wird richtig italienisch heute abend!
Beim Essen gibt es wieder ein paar Schwätzchen – es sind neben vielen Engländern auch einige Schweizer und auch Deutsche hier! Für morgen habe ich mir gleich den Besuch an den Wasserfällen vorgenommen! Der Besitzer instruiert mich genau, wie und wo ich hingehen soll – er war mehr als 5 Jahre Ranger dort im Park!
Da ich morgen relativ früh aufstehen muß und die vergangene Nacht mir, trotz Mittagsschlaf noch in den Knochen liegt, gehe ich bald ins Bett! Die Klimaanlage schalte ich auf kleiner Stufe ein – draußen ist es fast noch genau so warm wie tagsüber!

Freitag, 8.4.2011
Das Aufstehen fällt heute leicht – bin ich doch mehr als ausgeschlafen! Der kurze Weg zum Busbahnhof in der jetzt noch kühlen Morgenluft tut richtig gut! Die Busfahrt zum Eingang des ‚Parque Nacional Cataratas Iguazu’ wird etwa eine halbe Stunde dauern. Da ich einen frühen Bus genommen habe, ist der bei weitem nicht voll und auch am Eingang ist fast noch nichts los!
Auf mich warten 20 große und über 250 kleine Wasserfälle auf etwa 2,7 km Ausdehnung! Ich nehme die Wegstrecke, die mir gestern im Hostel empfohlen wurde – geht ein wenig anders, als der offiziell beschilderte Weg! Ich bin ganz allein unterwegs – neben zahllosen Schmetterlingen und auch Vögeln! Letztere höre ich zwar mehr als ich sie sehe, aber manchmal gelingt es mir, einen Blick auf eins dieser farbenfrohen Exemplare zu werfen!
Überall, wohin man schaut, gibt es Überraschendes zu sehen – merkwürdige gedrehte Luftwurzeln, kleine versteckte Blüten, immer wieder Baumschwämme in den vielfältigsten Ausführungen oder Überbleibsel von früheren Häusern!

Bald überquere ich die ‚Eisenbahnlinie’ – eine kleine Schmalspurbahn verbindet den Eingangsbereich mit dem ‚Teufelsschlund’, dem größten Wasserfall direkt an der Grenze zu Brasilien!
Bald schon kann ich durch das Blättergewirr einen Blick auf den ‚Leuchtturm’ werfen – ich kann nicht ergründen, ob der ‚just for fun’ als Landmarke hier im Park gebaut worden ist, oder ob er wirklich mal ein richtiger Leuchtturn war, was ich eher für unwahrscheinlich halte! Schade, daß er geschlossen ist – von oben muß man einen grandiosen Überblick über den Park und vielleicht auch die Fälle haben!
Hier soll ich den Weg zu den ‚unteren’ Fällen einschlagen – eine endlose Treppe aus Stahlgittern, wo aber das Rauschen der Fälle immer lauter zu hören ist! Der Gitterpfad führt immer wieder über kleine Wasserfälle, bis plötzlich die Sicht frei wird auf beide Seiten der ‚Cataratas’ – die argentinischen und die brasilianischen Fälle! Was für ein Anblick – vor allem heute bei dem herrlichen Sonnenschein mit überall ‚Regenbögen’! Ich stehe ganz verzaubert hier – wie gut, dass ich den Rat, diesen Weg als erstes zu nehmen, gefolgt bin, ich kann mutterseelenallein diesen Anblick genießen!

Langsam schlendere ich weiter und kann mich gar nicht satt sehen an den Fällen,

aber auch an all den ‚Fleißigen Lieschen’, die hier im Unterholz in allen möglichen Farben wie Unkraut wuchern! Auch fasziniert mich, was manchmal auf einem Baumstamm oder –ast an ‚Untermietern’ zu finden ist – eine ‚Wohngemeinschaft’ der ganz besonderen Art!
Tief unter mir sehe ich kleine Boote, offenbar von Fischern, und die großen Schlauchboote, mit denen man ganz nahe an die Fälle herangefahren wird! Da das jedoch ein äußerst ‚feuchtes’ Vergnügen ist, verzichte ich gern darauf – ich möchte ja nicht den restlichen Tag mit nassen Klamotten verbringen! Auch viele große Vögel, vielleicht Kormorane kann ich auf einer Sandbank vor der gegenüber liegen Insel erkennen!

Langsam nähere ich mich jetzt dem Teil des Wegs, von wo aus sich die Wasserfälle in ihren Einzelfällen erkennen lassen! Der Steg geht bis kurz vor einen Abschnitt der Fälle und ich bin froh, dass ich mir in einem Laden beim Eingang einen Regenponcho (ähnlich dem, den wir damals in Seaworld gekauft hatten!) gekauft hatte! Gut in den eingehüllt, kann ich mich bis ganz nahe vor das fallende Wasser wagen – ein aufregender und beeindruckender Augenblick (nachdem ich meine Brille abgenommen hatte, die war nämlich in kürzester Zeit von Tropfen übersät!). Hier finden sich jetzt die ersten Leute ein, aber es ist bei weitem nicht gerade voll!

Bald schon kommen die Fälle ‚Adam + Eva’ in Sicht, unter denen riesige Büschel von weiß blühenden Orchideen das Ufer besetzt haben.

Davor haben sich, wie ich heute noch oft sehen werde, ein paar Hobbymaler niedergelassen, die das alles mehr oder weniger künstlerisch aufs Papier bringen wollen. Wie ich erfahre, ist das eine Gruppe von Amerikanern, die eine ‚Malreise’ hierher gebucht haben!
Jetzt habe ich bald den ersten Zwischenstopp meines Wegs erreicht, eine kleine ‚Brotzeitstation’, wo es natürlich auch Toiletten gibt und vor allem etwas zu trinken! Die morgendliche Kühle hat sich nämlich bereits in eine ziemliche Schwüle verwandelt…! Zwischen den Tischen hier hat sich eine ganze Herde von Coatis (eine Art südamerikanischer Wasch- oder NASENbären) heimisch gemacht – fällt doch für diese gefräßigen Tiere hier immer wieder mal was ab. Man darf zwar nirgends im Park irgendwelche Tiere füttern, aber wenn beim Essen ein paar Brösel oder ähnliches herunterfallen, kann man gar nicht so schnell schauen, wie die sich von diesen Tieren geholt werden! Auch kleine Eichhörnchen gibt es hier – sie turnen mit Begeisterung auf dem Geländer des Stegs herum!
Beim Weitergehen sehe ich jetzt überall kleine und auch größere Eidechsen herumwuseln oder faul in der Sonne liegen oder sitzen! Es gibt sie einfach überall – auf dem Weg, in den Natursteinmauern, im Gebüsch! An alten, vermeintlich abgestorbenen Bambusstämmen neben dem Weg kann man gut sehen, wie jeweils aus den ‚Nahtstellen’ neue Sprößlinge wachsen!
Inzwischen bin ich auf dem ‚oberen’ Weg gelandet und von dort habe ich jetzt den Blick auf den Steg, wo ich vor nicht allzu langer Zeit ganz nahe am Wasser mit meinem Regenponcho stand – der ist von oben mindestens so imposant wie von unten!

Jetzt verläuft der Steg sozusagen ständig direkt über den Fällen – man bekommt einen guten Eindruck, aus wie vielen kleinen und großen Gewässern sich dieses Naturwunder so speist!


Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, wenn man so ein paar Meter vor dem Abgrund steht, den man zwar nicht sehen, aber deutlich ‚hören’ kann! Auch Schmetterlinge gibt es hier in Hülle und Fülle – sie genießen offenbar den feinen Feuchtigkeitsfilm, der sich hier ständig auf alles und jedes legt!
Inzwischen ist es Zeit für ein kleines Mittagessen. Mitten im Park gibt es eine Anlage, wo piekfeines Restaurant (mit sehr überteuertem Mittagsbüffet) neben einem einfachem (mit breitem Angebot in Selbstbedienung) und einem Fast-Food-Laden (mit verschiedenen Hamburgern) unmittelbar nebeneinander stehen. Dazwischen gibt es jede Menge Rasenflächen, wo sich ganze Familien zum Picknicken niedergelassen haben! Ich esse ein halbes Sandwich und mache mich dann gleich weiter zur nicht weit entfernten Bahnstation, um zur „Gargantua Diabolo“, dem Teufelsschlund, zu fahren. Die Zugfahrt ist im Eintrittspreis enthalten und man kann so viele Teilstrecken fahren wie man möchte (oder auch ein- oder aussteigen). Die Strecke geht teilweise durch einen sehr ursprünglichen Teil des Parks, in dem sich keine Wanderwege befinden! Vielleicht haben sich hier irgendwo Jaguare versteckt, die es ja im Park noch geben soll? Zu sehen sind sie nicht – erstens sind sie viel zu scheu und zweitens eher in der Dämmerung aktiv!
Angekommen an der Endhaltestelle buche ich auch gleich noch eine Bootsfahrt zurück. Die ist zwar nicht im Preis enthalten, aber sehr günstig zu haben! Sehr gemächlich in einem Ruderboot dem Sonnenuntergang entgegen zu fahren, stelle ich mir zum Abschluß dieses Tages sehr schön vor!
Zum Teufelsschlund sind es noch etwa 20-30 Min. auf einem Stahlsteg über die Wassermassen zu laufen, die diesen tosenden Wasserfall speisen! Zwischendurch gibt es immer wieder Rastplätze mit schattigen Bänken, die vor allem im Hochsommer bestimmt ihre Berechtigung haben! Auch hier ist alles voll mit Schmetterlingen! Dieses Stegegewirr hier im Park muß übrigens alle paar Jahre erneuert werden – manchmal führt der Iguazú und seine Nebenflüsse, die die Fälle speisen, soviel Wasser, dass viele der Stege einfach weggerissen werden! Das letzte große Hochwasser war 1992!

Hier ist jetzt die Hölle los – nichts mehr von der beschaulichen Ruhe des Vormittags! Auf der letzten Plattform mit der gigantischen Aussicht darf man sich jeweils nur 15 Minuten aufhalten, weil dauernd Menschenmassen nachdrängen! Aber was für ein atemberaubender Anblick – die mächtigen Wassermassen, die sich in die Tiefe stürzen und auch die dichten Gischtfontänen, die von unten aufsteigen und dann den Blick auf den Wasserfall total ‚benebeln’!


Was für ein Anblick!!! Auf der anderen Seite des Falls sieht man das brasilianische First-Class-Hotel direkt oberhalb dieses ‚Schlundes’ stehen – es muß sehr gute schalldichte Fenster haben, denn bei diesem Getöse kann ansonsten kein Mensch schlafen!

Den Weg zurück gehe ich sehr gemütlich an – ich habe das letzte Boot gebucht und noch massenhaft Zeit! So habe ich nun einen Blick für die kleinen Dinge am Weg – oder auch etwas größere: Unter dem Gitter des Stegs sehe ich von Zeit zu Zeit riesige Spinnen, die sich dort ein ‚einträgliches’ Netz gesponnen haben, Insekten gibt es hier gerade genug! Auch Schmetterlinge begleiten mich und von Zeit zu Zeit kann ich auch wieder diverse gelb-, grün-, blau- oder auch rotgefiederte Vögel sehen und eine große Zahl von mir unbekannten Büschen, die in oder neben dem Wasser wachsen.
Zurück ‚auf dem Festland’ ist sogar noch Zeit für einen Kaffee und das Schreiben von ein paar Ansichtskarten, ehe es ins Boot geht. Ausgestattet mit einer Schwimmweste gehen 6 Gäste und der ‚Skipper’ ins Boot. Wir werden zu Anfang nur etwa 150 bis 200 m von der Abbruchkante der Fälle entfernt dahin schippern – ist schon ein etwas eigenartiges Gefühl. Aber unser Skipper macht einen sehr erfahrenen Eindruck und er selbst hat wahrscheinlich auch keine Lust, fast hundert Meter in die Tiefe zu stürzen! Dann aber geht es in einem ruhigen und abgelegenen Gewässer weiter. Dort rudern wir ganz nahe an Kaimanen vorbei, die jedoch gut getarnt im Schilf sitzen und keine guten Fotomodelle abgeben. Auch eine Reihe von Schildkröten, die auf einem abgestorbenen Baumstamm sitzen, lassen sich einfach ins Wasser fallen, ehe unsere Fotoapparate auslösen können! Dafür gibt es auch hier wieder eine beeindruckende Zahl von verschiedenen Pflanzen zu sehen und auch Spinnen – hier haben sie jedoch ihre Netze in den über das Wasser ragenden Ästen der Bäume gespannt. Manchmal sieht man lange Luftwurzeln von weit oben bis ins Wasser hängen, dann auch wieder bizarre Muster aus abgestorbenen Bambusstämmen am Ufer. Ganz oben in den Baumkronen sitzen immer wieder Tukane, die man mit ihren riesigen gelben Schnäbeln – obwohl ansonsten gut getarnt – gut ausmachen kann! Es sind wirklich gemütliche 40 Minuten, in denen wir nebenbei auch einiges Interessante über die Geschichte des Parks, die Pflanzen (viele werden als Arzneipflanzen von den locals genutzt) und Tiere hier erfahren, ehe wir in der Nähe eines Bahnhofs des ‚Park-Bähnles’ wieder anlegen! Der Rückweg ist im Zug gerade mal 5 Minuten und dann finde ich mich in der Schlange vor dem Bus wieder! Die Argentinier machen ja schon manchmal einen sehr chaotischen Eindruck – aber an Bushaltestellen sind sie die „besseren Engländer“: Brav wird eine große Schlange gebildet und darauf geachtet, dass sich auch niemand vordrängelt!
Neben dem Busbahnhof im Ort hat sich an der Tankstelle eine riesige Autoschlange gebildet, um auf das Betanken zu warten – sieht aus, wie früher im Osten :-)!
Müde, aber auch voll von neuen und sehr schönen Eindrücken komme ich im Hostel an. Ein kurzes Abendessen aus den Resten von gestern und dann verschwinde ich im Bett!

Samstag, 9.4.2011
Heute geht es nur kurz einkaufen und ansonsten widme ich mich den Texten für den Blog – muß ja endlich mal wieder richtig aktualisiert werden!!! Beim Einkaufen jedoch treffe ich einen „alten Bekannten“ – den Wasti vom Herrn Hirnbeiß 🙂

Sonntag, 10.4.2011
Am Nachmittag geht es zurück nach Buenos Aires – eine Fahrt mit dem Bus von etwa 20 Stunden. Dieses Mal habe ich jedoch bei der Buchung sehr darauf geachtet, dass ich ein „Executive Cama“ bekomme und vor allem einen durchgehenden Bus! Die gewählte Buslinie „Rio Uruguay“ bietet als einzige diesen Service, ist halt auch etwas teurer. Aber für diese lange Strecke ‚mit Vollpension’ bezahle ich dafür gerade mal 100€ und das ist mir die Bequemlichkeit wert – das Umsteigen fällt nämlich bei den anderen Buslinien immer mitten in die Nacht!
Am Busbahnhof angekommen bin ich mit meiner Wahl mehr als zufrieden! Ein offenbar ganz neuer Bus mit allem Komfort steht für mich bereit! Ich habe einen Platz im Obergeschoß ganz vorne, der den Blick auf die umliegende Landschaft ungehindert frei gibt – schließlich fahren wir nachmittags um 3h ab und haben noch einige Stunden Tageslicht vor uns! Die Fenster werden auch extra noch einmal geputzt – man fühlt sich so fast im Freien sitzend!
Es ist eine schöne Fahrt in sonntäglicher Ruhe! Der Service hier ist vorbildlich – es gibt nachmittags einen leckeren Kaffee aus der Espressomaschine und dazu richtige „Weihnachtsplätzchen“! Es sind eine junge Frau und ein junger Mann für den Service zuständig, die offenbar in der Hinsicht sehr gut ausgebildet sind! Sehr höflich und sehr bemüht um ihre Gäste!
Die Fahrt geht auf einer sehr gut ausgebauten Straße entlang, an deren Rand immer wieder kleine Stände aufgebaut sind, an denen wohl verschiedenste Dinge von den Einheimischen verkauft werden. Jetzt am späten Sonntagnachmittag stehen die Meisten aber leer oder es werden Ausbesserungsarbeiten daran vorgenommen! Nach der Überfahrt über eine ganz neue Brücke hört die ausgebaute Strecke dann auf – es ist aber auch die Weiterfahrt nicht unangenehm, der Bus scheint eine gute Federung zu haben! Auf der danebenliegenden alten Brücke haben sich einige Familien zum abendlichen Fischen versammelt – es soll ein sehr fischreiches Gewässer sein!
Nicht lange danach fahren wir einem herrlichen Sonnenuntergang entgegen.

Im nächsten Ort steht schon der ‚Abendessen-Express“ bereit, ein Catering-Unternehmen, das das warme Abendessen anliefert: Kartoffel-Kürbis-Brei mit 2 Steaks und Broccoli-Gemüse, als Nachtisch ein Eistörtchen und wer möchte, kann auch noch Espresso ordern! Dazu gibt es Getränke nach Wahl, auch Bier oder Wein sind im Angebot! Kurz vor dem Ende des Entertainment-Programms kommt unser Service-Engel noch mal mit Plätzchen, Bonbons und Wasser durch die Gänge und dann kehrt nächtlicher Frieden ein! Auf meinem wieder ganz flachen Bett werde ich gemütlich schlafen!

Montag, 10.4.2011
Was für eine entspannende Nacht! Als ich wach werde, wabern draußen die Morgennebel über der Landschaft – sieht alles ein wenig unwirklich aus! Ich döse noch ein wenig weiter, bis um 8.30h das Frühstück serviert wird. Dann heißt es anstehen im Bad, um sich tagesfein zu machen, anschließend ist wieder „Kucken“ angesagt! Obwohl wir noch einige Stunden zu fahren haben, sind wir offenbar mittendrin in der Rush Hour Richtung Hauptstadt. Jetzt sehe ich, wie weit sich Buenos Aires so ausdehnt! Auf der jetzt mehrspurigen Straße steht auf beiden Seiten Auto an Auto! An einer Überführung wird deutlich, dass auch in Argentinien offenbar die Notrufnummer „911“ wie in den USA verwendet wird.
Irgendwie habe ich so ein Gefühl von ‚Heimkommen’, als am Horizont die ersten bekannten Türme und Häuser auftauchen. Im Moment fahren wir jedoch erst noch quasi durch den Container-Bahnhof dieser Millionenmetropole – fast eine halbe Stunde links und rechts der Straße nur Container neben- und übereinander gestapelt! Gleich danach ist offenbar eine der ‚favelas’, der Armensiedlungen von Buenos Aires! Kleine Hütten aus den aberwitzigsten Materialien stehen vor den Rohbauten von neuen Häusern – wahrscheinlich werden diese Hütten hier auch bald dem Erdboden gleich gemacht werden! Was mich sehr dort erstaunt, sind die Leinen voller frisch gewaschener Wäsche zwischen diesen Hütten – reinlich geht es offenbar zu in diesen Armensiedlungen! Nun kommt mir der eine oder andere Straßenzug schon bekannt vor! Ein kurzes Teilstück später haben sich um einen großen Platz viele, viele bunte Häuser geschart und dann sind wir auch schon am Rande von Retiro – der Bahnhof, von dem aus ich vor ein paar Wochen nach Tigre ins Parana-Delta gestartet bin, kommt in Sicht! Nicht weit davon entfernt ist auch schon der riesige zentrale Busbahnhof von Buenos Aires – es gibt 68 Bahnsteige!

Im Bahnhofsgebäude suche ich als erstes nach einem Telefon-/Internet-Laden. Dummerweise habe ich mir die genaue Adresse des Hostels nicht aufgeschrieben, wo ich für die nächsten 3 Nächte gebucht habe – jetzt muß ich dringend in mein Postfach schauen! Beide Internet-Terminals sind jedoch besetzt! An beiden sitzen zwei Männer, die sich voller Geilheit eine Reihe von Pornoseiten reinziehen! Neben beiden liegt ein Haufen von Münzen (die es ja sonst in diesem Land nur spärlich gibt!) und sie werfen immer wieder nach (der Internet-Zugang ist ‚münzgesteuert’!) – das kann ja dann dauern! Ich stelle mich demonstrativ neben einen der beiden – das ist ihm offenbar schnell peinlich, denn er rafft den restlichen Münzberg zusammen und zieht von dannen! Freundlicherweise ist noch ein Guthaben vorhanden, das ausreichend ist, um an meine Adresse zu kommen :-)!
Schnell ins Taxi und Richtung San Telmo! Unterwegs freue ich mich wieder an den wunderschönen alten Häusern dieser Stadt!
Es ist nicht sooo weit und so stehe ich bald vor einem total neuen Gebäude, das eher den Eindruck eines Hotels als eines Hostels macht! Die Begrüßung ist sehr herzlich – ich kann auch schon ins Zimmer, obwohl es noch nicht geputzt ist! So kann ich mein Gepäck schon mal abstellen, mir eins der unteren Betten ‚reservieren’ (ich habe nur ein Bett in einem 4-Bett-Zimmer gebucht) und auch schon mal mein Ladegerät in die Steckdose am Kopfende stecken! Nach einer kurzen Erkundung der Nachbarschaft – San Telmo ist eine Art ‚Schwabing’ für Buenos Aires – und einem Kaffee in einem sehr gemütlichen kleinen Eckcafé kaufe ich noch etwas zu Trinken und gehe dann zurück! Dabei begegnet mir ein ‚Hunde-Sitter‘, der gerade zu tun hat, seine Meute zu bändigen!

Das Zimmer ist inzwischen geputzt und von ‚meinem’ Bett sind meine Sachen entfernt worden (incl. das Ladegerät aus der Steckdose) und ein junger Australier hat sich dort eingerichtet, aber seine Sachen im übrigen Zimmer weit verstreut! Da muß ich ihn schon mal fragen, was meine Sachen auf dem Bett wohl zu bedeuten hatten (immerhin hat er 3 andere freie Betten zur Auswahl gehabt) und er räumt das Feld und schiebt auch sein Eigentum auf einen großen Haufen zusammen ! Offenbar hat er nicht damit gerechnet, einer resoluten älteren Dame zu begegnen! Manchmal frage ich ich allerdings schon, was sich solche Typen so denken – wenn überhaupt!
Das Haus hat eine schöne Küche, wo ich mir ein kleines Abendessen koche, das ich dann im herrlichen Innenhof einnehme! Dort komme ich ins Gespräch mit einer Familie aus Patagonien und wir haben vieles, über das wir uns austauschen können. Sie sind ganz begeistert, dass ich durch die Provinz Santa Cruz gereist bin, weil die sonst nicht gerade zu den üblichen Touristenspots gehört!
Als ich zu Bett gehe, ist mein ‚Nachbar’ noch außer Haus – ist ja auch nicht verwunderlich, so mitten in der ‚Partymeile’ der Hauptstadt!

Dienstag, 12.4.2011
Ich habe sehr gut geschlafen! Wurde zwar gegen Mitternacht kurz geweckt, weil noch zwei neue „Gästinnen“ ankamen, dick in Anoraks und Winterhosen gekleidet. Die haben sich jedoch sehr leise verhalten und so bin ich gleich wieder eingeschlafen!
Heute morgen habe ich sie gefragt, ob sie wohl direkt aus Patagonien gekommen wären! Großes Gelächter – nein, nur um die Gepäckfreigrenze nicht zu übersteigen, haben sie so viel wie möglich angezogen! Die ganze Unterhaltung wurde auf Englisch geführt, bis ich dann später hörte, dass die beiden sich auf Deutsch unterhielten. Wie sich heraus stellte, kamen sie aus München!!! Sind zwei Schwestern, die ursprünglich aus Kehlheim kommen!
Ich bin heute Mittag mit Diana verabredet! Eigentlich sollte ich die beiden Nächte wieder bei ihr übernachten, aber leider war sie am Wochenende unterwegs und hat meine diesbezügliche E-Mail nicht lesen können und als sie mir dann geantwortet hat, hatte ich das Hostel hier schon gebucht! So muß es eben bei einem kurzen Treffen bleiben, aber besser als gar nichts!
Durch die umliegenden Straßen, voll von alten wunderschönen Häusern, schlendere ich langsam unserem Treffpunkt entgegen. Es ist für mich immer wieder erstaunlich, an Hand der Architektur genau sehen zu können, was für ein Reichtum hier um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert schon geherrscht haben muß! Es ist heute kaum noch vorstellbar – Argentinien gehört ja jetzt eher zu den 3.Welt-Staaten! Aber wie mir Diana während der ersten 3 Wochen bei ihr erklärte – Argentinien ist durch die Kriege in Europa reich geworden und das war wohl auch so!

Mitten auf der Plaza Dorrego, unserem verabredeten Treffpunkt steht sie und wartet schon auf mich, die Gute! Wir liegen uns sofort in den Armen – sie ist mir wirklich eine gute Freundin geworden in der Zeit bei ihr! Wir suchen uns ein Plätzchen in einem der Freiluftrestaurants rund um den Platz und ich muß erzählen, wie es mir so ergangen ist in ‚ihrem’Land und ich frage nach, wie denn das große 4-wöchige Familientreffen denn war! Im Nu sind so mehr als zwei Stunden vergangen – unterbrochen nur von einer Tango- und Milonga-Vorführung eines jungen Paares hier mitten zwischen all den Tischen und Stühlen. Das ist das Schöne hier – es gibt immer und überall etwas zu sehen! Leider hat Diana heute noch einen Termin mit ihrer Lektorin, den sie nicht verschieben konnte, aber ich muß auch noch auf die Post, das Päckchen für Anna wegschicken! Mit vielen Versprechungen, dass sie auf jeden Fall auch nach München kommt, wenn sie im Herbst ihren Sohn mit Familie in Italien besucht, verabschieden wir uns schweren Herzens!
Ich stöbere noch etwas durch die Antiquitätenläden hier und finde mich dann auf der Post ein! Eigentlich wollte ich das Päckchen an Anna mit DHL schicken, aber die wollen doch ungelogen 150 US-$ dafür an Porto haben – da nehm ich dann doch lieber die ‚Correo Argentino’! Das ist dann halt mit Warten verbunden – auch bei der Post gibt es, wie überall, einen Nummernautomaten und mehrere Stuhlreihen, wo man dann geduldig abwartet, bis man dran ist! Das kann dauern… Ich finde GottseiDank eine Nummer auf einem der Schreibpulte dort, die 8 Nummern unter meiner ist (da hat wohl jemand die Geduld verloren!). Trotzdem macht es das nicht viel besser – bei der Geschwindigkeit, mit der dort gearbeitet wird, auch nicht verwunderlich. Ich habe aus Langeweile mal mitgestoppt, dass die Abfertigung EINES Pakets 27 Minuten gedauert hat – mit immer wieder kurzweiligen Schwätzchen zwischen Postbeamtem und dem Einlieferer! Aber auch hier gilt, wie in so vielen Ländern – aufregen bringt gar nichts, lieber die Zeit nutzen, um die Umstehenden und –sitzenden ein wenig zu beobachten!
Endlich bin ich dran und das Päckchen kostet hier auch nur etwa 8€ umgerechnet – mit der Möglichkeit der Nachverfolgung, wie mir lang und breit erklärt wird! Ich lasse mir auch noch Briefmarken für meine restlichen Postkarten geben und bin damit aber trotzdem in einem absoluten Rekordtempo fertig – das mit dem Schwätzchen ist halt nicht so einfach mit meinen Spanisch-Kenntnissen :-)!
Den restlichen Nachmittag verbringe ich mit Karten schreiben – leider kann ich sie dann nicht mehr einwerfen, weil der Briefkasten sinnigerweise IN dem inzwischen geschlossen Postamt ist! Einen anderen gibt es jedoch hier in der Umgegend nicht, also morgen auf den Flughafen hoffen!
Abends sitze ich noch mit den Mädels aus München zusammen zum ‚Ratsch’n’ und zu uns gesellt sich auch ein junger Deutscher, den die Beiden unterwegs kennen gelernt und jetzt wieder getroffen haben. Wie sie herausstellt, ist er ein Touristiker und wir finden auch schnell viele gemeinsame Gesprächsthemen! Er weiß auch ganz sicher, dass es am internationalen Flughafen in Ezeiza einen Briefkasten gibt – also gebe ich meine Karten an die beiden Mädels weiter, mit dem hochheiligen Versprechen, sie morgen vor ihrem Rückflug nach Deutschland dort auch einzuwerfen!
Bald gehe ich dann jedoch ins Bett – ich muß morgen früh um 4h aufstehen – irgendwie suche ich mir immer wieder Ziele aus, die nur mit extrem frühen Bussen oder, wie heute, Flügen zu erreichen sind!

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