Unterwegs in Stone Town

13.8.2010
Heute ist schon Freitag, auch die Wochentage sind für mich nicht mehr so ganz präsent! Freitag und dann noch Ramadan-Anfang! Das merke ich erst, als ich mit meinem Telefon zur entsprechenden Telefongesellschaft gehe, weil es immer noch nicht funktioniert – natürlich geschlossen! Aber gegenüber der Vodacom Shop öffnet gerade, vielleicht können die mir helfen! Ja – können sie: Die SMS, die seit der ersten Aufladung fast stündlich von dem anderen Netzbetreiber – praktischerweise auf Suaheli! – bei mir eingehen, fordern mich auf, mich im nächsten Shop registrieren zu lassen! Na bravo – und was jetzt? Die Vodacom-Dame bietet mir kurz entschlossen eine Gratis-Simcard an und darauf gehe ich jetzt einfach ein. Muß halt in den nächsten Tagen noch mal bei den anderen vorbei schauen! Als ich dann 10.000 Tsh auflade, wird mir auch eine SMS geschickt und nach der Registrierung noch mal eine, die mir mitteilt, dass wegen Ramadan eine Verdoppelung des Aufladebetrags vorgenommen wurde, ich also über 20.000 Tsh verfügen kann! Na, das war dann eine noch angenehme Überraschung am Rande!
Die Mobilfunk-Anbieter befinden sich alle rund um den riesigen Freiluftmarkt, wo man alles kaufen kann, was man sich so vorstellen mag! Und heute, am Freitag/’Sonntag’ war natürlich besonders viel los. Auch im daran anschließenden Gewürz- und Gemüse-/Obstmarkt ging dicht gedrängt zu – muß doch jetzt eingekauft werden für ‚Iftar’, das abendliche Fastenbrechen!
Auch ich decke mich mit Tomaten, Avocado und kleinen Bananen ein. Mangos gibt es zu meinem Leidwesen keine und Ananas sind teurer als bei uns – offenbar gerade keine heimische Saison!
Heute ist strahlender Sonnenschein, das Richtige, um mich einfach treiben zu lassen! Immer jedoch mit einem Blick auf die heimischen Vespa-Fahrer, die links und rechts von mir durch die schmalen Gassen düsen! Sansibar ist wohl gleich nach Italien das Land mit der zweitgrößten Vespadichte – auf die Einwohner gesehen vielleicht sogar die größte! Ist eigentlich auch nicht überraschend – auch die Gassen sind genau so eng, wie in den alten italienischen Städten und Örtchen! Vielleicht ist das auch der Grund, warum gerade Italiener in Massen hier auf diese Insel einfallen?
Ganz zufällig finde ich bei meinem ziellosen Wandern auch das alte Hammam-Gebäude, ein sog. ‚Persisches Bad’, das jedoch nicht mehr in Betrieb ist. Der freundliche ‚Hausmeister’, der gegenüber wohnt, schließt mir jedoch auf und ich kann es besichtigen!
Das Schlendern durch die kleinen Gassen macht total Spaß! Es gibt viel zu sehen, manche Leute sprechen mich auch an und einige versuchen gleich, mir ein paar Worte Suaheli beizubringen! Plötzlich stehe ich vor der Anglikanischen Kathedrale, die auf dem Platz errichtet worden ist, wo früher der „Lagerplatz“ für die Sklaven war, ehe sie nach Arabien oder auch nach Europa abtransportiert wurden. Auf dem Kirchengrundstück befindet sich heute ein eindrucksvolles Mahnmal dazu! In den Gebäuden rund um die Kirche ist u.a. eine Primary School untergebracht, die gerade aus ist! Eine quirlige Schar kleiner Kinder wuselt um mich herum oder balgt sich unter einem ausladenden Baum um die kleinen grünen Früchte, die auf dem Boden liegen! Eine der Lehrerinnen erklärt mir, dass das ein Jojoba-Baum wäre und die Früchte ganz süß! Erstaunt erzähle ich ihr, dass in Deutschland nur Jojoba-Öl bekannt wäre -ja, ja, das wird auch hier aus den Kernen gepreßt!
In Sichtweite der Kathedrale befindet sich übrigens eine große Moschee! Darauf sind die Sansibaris besonders stolz – auf die gelebte Toleranz der Glaubensgemeinschaften untereinander! Es gibt christliche Kirchen aller Richtungen, Hindutempel (sogar einen aufgelassenen Jain-Tempel) und eben Moscheen! Die Kirche ist im gleichen Zustand wie viele der Häuser – schwarzer Belag überall und innen überdies viele Risse und abgeplatzter Putz!
Langsam bekomme ich nun Hunger und gehe durch die kleinen Gassen Richtung Guesthouse – die Sansibar-Karte mit Stadtplan von Heidrun Wenzel tut gute Dienste, es gibt nämlich hier keine! Auf den Stufen des Guesthouses sitzt wie üblich die (männliche) Jugend des Viertels. Als ich frage, ob es wohl eine Bäckerei irgendwo gäbe, springt auch gleich einer der jungen Männer auf und führt mich dahin! Ein uralter Betrieb in einem großen Wellblechverschlag, wo in zwei mit Kohle und Holz beheizten altertümlichen ‚Steinbacköfen’ kleine und große Weißbrote gebacken werden! Die großen, mit der Hand geformten, werden an die Hotels und Guesthäuser geliefert bzw. mit Karren ausgefahren, die kleinen, in Metallformen gebackenen, werden in der Nachbarschaft verkauft! Zwei kleine kosten für mich 300 Tsh, das sind etwa 15 Cent – ein guter Preis für das noch ofenwarme frische Brot, trotzdem es wahrscheinlich schon ein Touri-Preis war!
Tomaten-Avocado-Salat mit frischem Weißbrot zum Mittagessen – hätte eindeutig was Schlechteres sein können!
Kurze Zeit lege ich dann meine Beine hoch, um die größte Hitze abzuwarten, ehe ich weiter auf Erkundungstour gehe.
Meine engere Umgebung ist überaus interessant – ‚Shangani’ war früher das Viertel, wo vor allem die Ausländer wohnten bzw. sich die Botschaften befanden und sich teilweise noch befinden! Auch das ‚State House’ ist hier, Wohnsitz des Präsidenten, und eine Reihe von Schulen bzw. die Universität von Sansibar. Es gibt hier einige Internet Cafés, aber überall das gleiche Problem – extrem langsame Geschwindigkeit. Meine Mails kann ich zwar abrufen, aber es gelingt mir nicht, selbst welche zu versenden! Ein paar Texte für meinen Blog können zwar eingestellt werden, aber die dazugehörigen Fotos müssen warten, wahrscheinlich bis Singapur…
Zum Sundowner geht es wieder auf die Terrasse vom ‚Africa House’, diesmal ohne Affen. Danach mache ich noch einen kurzen ‚Einkehrschwung’ zu einem Tour-Veranstalter und erkundige mich nach einer ‚Gewürz-’ und einer ‚Princess Salme Tour’. Erstere kann er mir anbieten, letztere wird nur von einem Hotel nahe der alten Palastanlagen etwas außerhalb von Sansibar-Stadt durchgeführt! Aber der freundliche junge Mann empfiehlt mir ein kleines Restaurant zum Abendessen, das wirklich eine Empfehlung wert war! „Grüne Bananen in Kokosmilch mit einheimischen Gewürzen und Kingfish“ waren einfach ein Gedicht!

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