Fahrt nach Singaraja

7.9.2010
Das Wetter hat sich über Nacht leider überhaupt nicht geändert! Aber Adi ist eisern – „es ist sicher schön an der Küste“! Also ziehen wir uns regenfest an und machen uns mal auf den Weg!
Es ist eine unangenehme Fahrt, weil ich auch so überhaupt nichts sehen kann – das Visir des Helms ist natürlich total ‚beregnet’! Nach einer knappen Stunde halten wir an einem der sogenannten ‚Tokos’ an, um zu frühstücken! Tokos sind kleine Stände, die kleine Mahlzeiten, heiße und kalte Getränke, aber auch die nötigsten Lebensmittel für den schnellen Bedarf vorrätig halten! Überall auf Bali sind sie in großer Anzahl an den Straßenrändern vertreten!
Danach dauert es ein wenig, ehe wir uns wieder in unsere Regenjacken, Pelerinen, Kapuzen und Helme gezwängt haben. Irgendwie bekommt das Ganze jetzt doch einen Hauch von Abenteuer! Leider ist die leicht gehobene Stimmung gleich wieder im Keller, als wir ein paar Kilometer weiter ein großes Stück völlig überschwemmte Straße befahren müssen. Das Fahren selbst im Wasser ist anstrengend, dazu kommt, dass die Autofahrer hier kein Pardon kennen – es wird mit Vollgas durch die Riesenpfützen gefahren, egal wer da noch unterwegs ist…
Ziemlich durchnässt geht es dann relativ steil aufwärts in die Berge im Landesinneren! Und langsam reißt die Bewölkung auch auf und der Blick kann über zahllose tief eingeschnittene Täler, Bergseen und landwirtschaftliche Nutzflächen schweifen! Es scheinen sehr reiche Gemüsebauern zu sein, die hier zugange sind – die ‚Compounds’, wie hier die Familienbauernhöfe heißen, sind sehr weitläufig, mit unzähligen kleinen und großen Tempeln versehen und machen einen äußerst gepflegten Eindruck! Ein Compound ist ja manchmal wie ein kleines Dorf für sich – alle Söhne einer Familie bleiben mit ihren Ehefrauen und den Kindern in der Regel auf dem elterlichen Grund. Aber auch die Töchter haben ein Anrecht darauf, im Falle einer Scheidung oder bei Tod des Ehemannes und natürlich, solange sie nicht verheiratet sind, im elterlichen Haus stets aufgenommen zu werden!
Neben allerlei Gemüse werden vor allem Erdbeeren angebaut – auch Felder zum Selberpflücken gibt es hier immer wieder! Zwischen zwei Dörfern kommen wir an einer Stelle vorbei, wo eine riesige Herde Affen unterwegs ist – wir kommen kaum voran, so dicht bevölkern sie die Straße!
Danach geht es in engen steilen Serpentinen abwärts, das Meer ist hin und wieder schon in der Ferne zu sehen – und die Sonne scheint inzwischen auch! Schnell eine Einfahrt gesucht, wohin wir uns aus dem Verkehrsstrom flüchten können, um unsere Regensachen auszuziehen! Unter denen hat sich nämlich in wenigen Minuten Sonnenschein sofort eine Sauna gebildet!
Aber dann geht es natürlich sehr gut gelaunt weiter – dem Regen sind wir erfolgreich entflohen!!!
Unsere erste Station ist Singaraya, die größte Stadt an Balis Nordküste! Meine beiden Gastgeber setzen mich am Markt ab – Komang hat einen Termin beim Zahnarzt und wir werden uns in etwa einer Stunde wieder hier an der Ecke treffen!
Der Markt ist so, wie die Märkte vor 25 Jahren in China waren – es gibt alles zu kaufen, was man sich vorstellen kann.
Zwischen den Ständen sind immer wieder ‚Tokos’ aufgebaut, wo Getränke und kleine Mahlzeiten verkauft werden!
Neben Gemüse und Obst in allen Variationen gibt es auch ein Vielzahl von Läden für „Zeremonien-Zubehör“!
Der balinesische Hinduismus ist vor allem dadurch geprägt, dass ständig und überall irgendeine religiöse Zeremonie stattfindet! Das können Feste nach dem hinduistischen Kalender sein, aber auch die Einweihung einer neuen Garage oder der Abschluß der Reisernte! Dafür müssen dann kunstvolle, aus Bambus geschnitzte Wimpel und Lampions gekauft werden (früher wurden die natürlich von den Familien selbst hergestellt!). Dazu je nach Anzahl der Tempel und Götter auf dem Festgelände eine entsprechende Zahl der typischen Seidenschirme. Jede Menge Blumen bzw. deren Blütenköpfe und junge Palmblätter, aus denen die Körbe für die Opfergaben geflochten werden, dürfen auch nicht fehlen! Und – ganz wichtig – meterweise goldgelber, weißer und schwarzweiß-karierter seidenähnlicher Stoff, mit dem der Zeremonienplatz verschwenderisch dekoriert wird!

Neben diesen vielen Ständen gibt es aber auch alle Geschäfte für den täglichen Bedarf: Plastikgeschirr und Haushaltsgeräte (auch die typischen Maggiflaschen, allerdings in den unsäglichsten Pastellfarben aus Weichplastik!!!), Kochtöpfe und dazu auch gleich Holz und Kohle, Schuhe, Stoffe, Schreibwaren… Ein unübersehbares Gewirr von Gassen und Gässchen – faszinierend, aber auch ziemlich schmutzig!



Dazwischen immer wieder bettelnde kleine Kinder – nicht zu unterscheiden, ob es Straßenkinder sind oder von ihren Familien zum Betteln ‚abgerichtet’! Beides ein großes Problem in ganz Indonesien!
Als Adi und Komang eintreffen, gehen wir noch schnell einen Kaffee trinken ehe wir zur Weiterfahrt zu unserem Ziel für die nächsten beiden Tage starten: Kalibukbuk!

Dort sind zwei Bungalows in einer kleinen Hotelanlage für uns reserviert! Sehr hübsch gemacht mit kleiner Terrasse vor dem Eingang, einem halb-offenen Bad (nur Toilette und Badewanne sind überdacht, die Dusche ist im Freien) und einem reichlich großen Zimmer in kleinen, typisch balinesischen Häuschen! Leider ohne Moskitonetz und mit einem ‚Miefquirl’ statt Aircondition – kaum ist die Sonne da, ist es ordentlich heiß geworden und vor allem feucht, hier direkt am Meeresufer… Außer vier solchen Bungalows gibt es noch ein größeres Haus mit 4 Apartments. Das alles umgibt eine wirklich wunderschöne Gartenanlage

und liegt in einer ganz ruhigen Gasse! In der Nähe sind aber jede Menge Restaurants und die typischen Souvenirläden und das Meer ist vielleicht 100m entfernt!
Wir aber fahren erst einmal zum neuen Haus von Adi und Komang bzw. zum Bauplatz. Dort sind schon jede Menge Verwandte fleißig am Arbeiten.

Adi hat Glück mit seinem Schwiegervater – der ist der geborene Bauleiter, sehr erfahren und hat natürlich den Respekt der jüngeren!

Danach sind wir zum Kaffee im Familienhaus – so lerne ich auch mal einen balinesischen Compound von innen kennen!
Abends essen wir in einem Strandrestaurant lecker Fisch, ehe wir todmüde ins Bett fallen. Vorher habe ich an der Rezeption noch eine Schnorcheltour für morgen Vormittag gebucht – meine beiden Gastgeber haben dann noch einiges zu erledigen!

Eine Antwort zu Fahrt nach Singaraja

  1. Sohn #1 schreibt:

    was is’n das, Erzgebirgs-Engel mit Basecap?? 😉
    Fehlt nur noch die passende Pyramide… 🙂

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