Deutsches Diamantenfieber

24.7.10
Wow – das war heute deutsch, deutscher geht’s nicht!
Kolmannskoppe, die alte Diamantsucher-Stadt, hatte schon alles, was ein Indiz für Deutschsein ist! Von der noch total erhaltenen Kegelbahn (dort werden auch heute noch manchmal von den verbliebenen deutschen ‚Süd-Western’ Turniere abgehalten!) über Dirndl, Kreuzstich-Tischdecken, Linde-Eismaschinen, Pilsflaschen und sogar ein Exemplar eines Dr. Oetker Backbuches aus den 30er Jahren!
Das Diamant-Suchen muß zwar ein hartes Arbeiten gewesen sein (teilweise auf dem Boden liegend, am besten bei Vollmond, mit einem Tuch vor dem Mund, damit nicht versehentlich eins der wertvollen Steinchen eingeatmet wird!), aber den Bewohnern wurden auch alle Annehmlichkeiten zuteil, die damals möglich waren! Es gab für jeden Bewohner pro Tag 20 l Frischwasser (das mit Schiffen aus Kapstadt nach Lüderitz und dann mit der Bahn nach Kollmannskoppe gebracht wurde!), für jeden Haushalt je einen Kasten Limonade + Bier und eine Stange Eis kostenlos! Das wurde alles mit der dorfeigenen Straßenbahn (gezogen von 2 Maultieren) vor die Tür gebracht! Strom war auch umsonst! Das Eis wurde in der eigenen Eisfabrik hergestellt – mit Hilfe von Ammoniak und der unterschiedlichen Schmelzpunkte von Süß- und Salzwasser. Mit dem gekühlten Salzwasser wurde die daneben liegende ‚Schlachterei’ und ‚Wursterei’ quasi als Klimaanlage versorgt! Letztere hatte natürlich auch zwei Räucherkammern, damit der Schinken und die Dauerwürste nicht ausgingen! Eine Bäckerei sorgte dafür, dass die Bewohner weder auf das gewohnte Brot nach deutschem Rezept noch die ‚Teilchen’ verzichten mussten! Der Strom wurde in einem eigenen Kraftwerk hergestellt, das mit Kohle betrieben wurde und den Bewohnern ebenfalls gratis zur Verfügung gestellt! Das Frisch- und Salzwasser wurde in zwei großen Tanks auf dem höchsten Punkt des Ortes gelagert, mit dem Salzwasser wurde zusätzlich ein dorfeigenes Schwimmbad versorgt! Es gab natürlich einen Kolonialwaren-Laden im Ort, der auf Bestellung alles führte, was der Deutschen Herz verlangte! Und es gab ein Krankenhaus für 250 Personen in Mehr-, Zwei- und Einbett-Zimmern, teilweise mit Veranden, das von 2 Ärzten und 4 Schwestern versorgt wurde. Dort war auch der damals einzige Röntgenapparat in Afrika stationiert – wahrscheinlich hauptsächlich, um möglichen verschluckten oder anderweitig verborgenen Diamanten auf die Spur zu kommen! Aus Kollmannskoppe kamen von etwa 1910 bis 1930 etwa 20% aller Diamanten weltweit – da konnte man natürlich großzügig sein!
Heute ist das ein Freilichtmuseum – mit dem verlangten Eintritt von etwa 5 Euro wird die weitere Restaurierung bezahlt. In den Häusern, deren Fenster dem Wind standgehalten haben, ist noch viel von der Original-Bemalung oder den Fußböden (Dielen + Fliesen) erhalten! Die mit den zerbrochenen Fenstern sind mehr oder weniger im Sand verweht und sollen nach und nach wieder hergestellt werden! Die Originaleinrichtungsgegenstände waren leider im Lauf der Jahre, in der die Siedlung sich selbst überlassen war (1957 sind die letzten Einwohner weggezogen, in 1987 erst beschloß die staatliche Diamantgesellschaft, die Ortschaft zu einem Museum zu machen), abhanden gekommen. Es gab jedoch eine Reihe von Spenden von ehemaligen Einwohnern, so dass zumindest Original-Stücke aus dieser Zeit zur Einrichtung und Ausstattung der renovierten Häuser benutzt werden konnten.
Der restliche Tag verging mit der Besichtigung der alten deutschen Gebäude und Straßenzüge in Lüderitz – kurz unterbrochen von einer Kaffeepause mit stilgerecht sehr leckerem deutschen Apfelkuchen und einer Ewigkeit vor dem Rechner im Internet Café – diese langsame Geschwindigkeit der Netze hier macht mich manchmal ganz fertig!
Aber schlussendlich habe ich es dann geschafft und konnte auch noch einen kleinen Rundgang zu den meist sehr huebsch renovierten alten deutschen Stadthaeusern machen! In der Kirche wird uebrigens nur noch 1x monatlich ein „guter deutscher Gottesdiens“ abgehalten, dafuer wird der Pfarrer aus Swakopmund eingeflogen! Fuer die paar verbliebenen Schaefchen lohnt es sich einfach nicht oefters! Die Mehrheit der Bevoelkerung haelt in den anderen beiden Kirchen sonntaegliche Gottesdienste nach amerikanischer Gospel-Art, aber „das ist doch kein richtiger Gottesdienst, oder?“ Doch, das finde ich persoenlich schon – lauthals und ausdauernd den Herrn preisen, warum nicht!
Abends gab es heute Langusten aus Frau Hälbichs Vorräten – mmmh, sehr lecker! Alle Gäste saßen um den großen Esstisch herum, zur Hälfte bei Langusten und zur anderen Hälfte bei original Bratwürsten nach deutschem Rezept!
Aber nun ist auch wieder genug mit Deutschtümelei – morgen geht es weiter Richtung Maltahöhe, dicht an der Namib-Wüste vorbei!








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